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Sa, 25.01.2020
TAN LERACOON
Funeral Tour Of Roses
Einlass: 19:00 | VVK: 12 EUR | TICKETSmiley face | AK: 15 EUR
„Es ist gar nicht so leicht, sich in diesen Zeiten eine Prise Optimismus und Kampfgeist zu bewahren. Irgendwie kommt es einem vor, als schreie jeder aneinander vorbei - allerdings nur virtuell, weil keiner mehr den Arsch vom Rechner wegbekommt. Ok, das war polemisch. Aber irgendwie stimmt es nun mal. Und es trifft die Grundstimmung, die Tanju Boerue alias Tan LeRacoon ergriff, als er mit dem Schreiben neuer Songs begann, die nun zusammen das Album „Funeral Parade Of Roses“ ergeben. „Da ist tatsächlich eine grundsätzliche Frustration aus mir herausgebrochen – das Produkt jahrelanger Beobachtung des Abstumpfens der Menschen, die sich alles gefallen lassen. In Grunde war mir schon nach dem letzten Album klar, dass mein nächstes Lebenszeichen politischer werden müsse, alleine schon um mir selbst gerecht zu werden.“
Wer Tan LeRacoons mal psychedelisch mäandernden, mal tief gecroonten, mal punkig rausgezischten Goth-Psych- Folk-Punk-Rock-Soul-Bastard von Sound kennt, der weiß jedoch, dass auch der pure Frust beim Blick auf die Welt bei ihm nicht zu einer straight heraus gebrüllten Antwort führen kann. „Funeral Parade Of Roses“ ist vielmehr der Versuch, der Verzweiflung etwas entgegenzusetzen – mit allen kreativen Mitteln, die dieser weitgereiste Musiker zur Hand hat. Tan LeRacoon sagt zwar selbst, sein Album sei „spooky und unbequem“, aber das beschreibt eher die nachhaltige Wirkung seiner Lieder – die vordergründig unterhaltsam, mitreißend, bewegend sind, deren Texte sich aber manchmal wie ein süßes Gift in die Gedanken schleichen. Schon im Opener „Your Own Way“, eine Ballade, die nur mit Tan und seiner Gitarre beginnt und sich langsam zu einem tollen Finale hochschraubt, singt er die Worte „poisoning my bloodstream“ und es scheint fast, als beschreibe er genau diese Wirkung. Die schönste Vergiftung ist jedoch „Prejudice & Injusticies“, ein geradezu vergnügliches, bläser-verziertes Rock’n’Roll-Stück, dessen Musik in einem klaren Kontrast zu Tan LeRacoons Gesellschaftskritik steht. Eine Musik-Text-Schere, die durchaus intendiert ist, wie Tan zugibt: „Aktiv zu sein, bedeutet ja nicht, schlecht gelaunt durch die Welt zu laufen. Wir können nur Menschen erreichen, wenn wir ihnen Alternativen bieten. Ich versuche meine Anliegen im Dialog zu vermitteln – so schwer das manchmal auch fällt. Es nützt nichts, nur eine Klientel anzusprechen, von der du weißt, dass sie eh deiner Meinung ist. Das mag zur Selbstbestätigung, aber auch zur Selbstbeweihräucherung führen. Ich finde die Vorstellung schön, dass die Leute die Songs mitsummen, mitsingen, ja, auch tanzen, und sich die Sätze im Unterbewusstsein festsetzen. Ein bisschen naiv vielleicht, aber auch optimistisch.“
Die Krux bleibt jedoch, dass nicht alle diese Energie aufbringen, die Tan LeRacoon antreibt. Seine Antwort darauf ist das bös-groovige „Battle Is Over, War Isn’t Won“, das diese seltsame Lethargie beschreibt, die viele ergriffen hat. „Das ist so frustrierend! Ja, jeder könnte und sollte wegen etwas was auf der Straße sein, das dich direkt betrifft. Warum macht man das so selten? Ist es Bequemlichkeit? Ignoranz? Mangelndes Selbstbewusstsein? Oder schlicht das kränkelnde Bildungsystem - für mich der Schlüssel zu allen Problemen?“ Dabei sei doch genau in der Gemeinschaft eine Antwort auf die Resignation zu finden: „Man fühlt sich nicht mehr allein, man stellt fest, dass es mehr Menschen gibt, die gewisse Zustände stören, und ja, man kann sich mit neuen Kontakten zusammentun und debattieren. Der Song deutet eben nicht in Richtung Resignation, sondern ist ein Ruf, wieder aufzustehen und weiter für die Belange einzustehen, etwas bewegen zu wollen." Und auch wenn in den ersten Zeilen von „Battle Is Over, War Isn’t Won“ von vergangenen Kämpfen gesungen wird, will Tan LeRacoon klarstellen, dass er sie hier als Inspiration verstanden haben will und nicht als Nostalgie: „Mein Generation ‚glaubt‘, unglaublich aktiv gewesen zu sein und behauptet das immerzu. Ich stelle das zur Disposition. Nostalgie ist nicht wünschenswert. Ich mag nicht nach hinten gucken, sondern versuche im Hier und Jetzt zu leben und die Zukunft sinnvoll zu gestalten. Wir leben in einer vereinsamten, verdummten, verwöhnten Gesellschaft, der viel zu lange eine vereinfachte Sicht der Welt vorgesetzt wurde. Und sie haben es geglaubt. Wir haben es geglaubt. Was in meinen Texten vielleicht durchschimmert, ist diese Jugendkultur, die es früher gab, und die durch Social Media ein Stückweit verloren ging.

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  • 25.1.    TAN LERACOON