Fr, 23.09.2022
THUMPER (IRL), SALÒ (AUT), KIWI JR. (CAN)
REEPERBAHN FESTIVAL
Einlass: 20:15 | VVK: | TICKETSmiley face
20:45 - 21:30 THUMPER (IRL)

Was ihre Fans aus ihrer Musik ziehen, was ihre Musik eigentlich bedeutet und wodurch sie sich speist – das war in der Bandgeschichte von Thumper bisher einer gewissen Variation unterworfen. Schon allein deshalb, weil die Band als Soloprojekt von Fronter Oisin Leahy Furlong entstand, immer wieder Lineup-Änderungen erlebte und die sechs aktuellen Mitglieder der Band alle ihre eigenen Einflüsse zum Thumper-Sound beitragen – nicht zuletzt auch die zwei Drummer, die sich die Band leistet. Auf ihrem diesjährigen Albumdebüt „Delusions Of Grandeur“ ist das in jedem Song spürbar, finden sich hier doch Elemente aus Post-Punk und Noise-Pop, psychedelische Gitarren und Rockabilly-Vibes, die perfekt ineinandergreifen. Thumper haben ihren gänzlich eigenen Stil gefunden, können extrem raw aber auch catchy zusammenspielen und klingen jedes Mal abenteuerlich und wild. Besonders wenn sie auf der Bühne stehen, entfaltet die Leidenschaft der Band ihre ganze Kraft: „Das Gefühl einer Liveshow in einem vollgepackten Raum ist ziemlich transzendent, es ist suchterzeugend und wir würden nichts anderes machen wollen“, betont Furlong. Das merkt Mensch in jeder Note.

22:35 - 23:20 SALÒ (AUT)

In Zeiten des fortgeschrittenen Turbokapitalismus' braucht es Kunst, die sich der Gegenwart mit einer gewissen Ironie bewusst ist und dennoch Auswege in Richtung eines besseren Morgen findet. Andreas Binder versucht diesen Spagat unter seinem Alias Salò zu vollführen und macht dabei bislang so ziemlich alles richtig. Zuerst erscheint 2020 die Debüt-EP „Tränen zu Wein“, für die er auf einschlägigen Streamingplattformen jede Menge Zuspruch erntet und deren Sound im Dunst von Post-Punk und poppigem Electroclash umherwandelt – passend zum Titel. Auch Singles wie das Feature mit Eli Preiss „Heißes Blei“ oder „Bonjour Tristesse“ führen die Musik von Salò erfolgreich in eine Zukunft, deren Perspektiven für den Stockenten-Liebhaber so rosig wie nie zuvor erscheinen. Keine Selbstverständlichkeit im Metier der singenden Teilzeitexistenzialisten. Die Melancholie der Gen Z, die Tristesse im reizüberfluteten Großstadttaumel oder eine Hymne an Apollonia, die bei Edeka an der Kasse sitzt: Dieser Typ bringt alles unter einen Hut und danach auch mit Nachdruck auf die Bühne.

00:05 - 00:50 KIWI JR. (CAN)

Was nicht alles auf die Beine gestellt werden kann, wenn Leute von ihren monotonen Bürojobs angewidert sind. Neben Fight Clubs und experimentellen Ramen-Bars entstehen daraus unter Umständen auch mal Indie-Bands mit Eigenständigkeitscharakter wie Kiwi Jr. - einem Quartett aus Toronto, dem bislang schon auf den beiden Alben „Football Money“ (2019) und „Cooler Returns“ (2021) die oft angestrebte Jungzellenkur des Genres gelang. Dabei erfinden Kiwi Jr. das Rad zwar nicht neu, bringen es aber kräftig zum Rotieren und machen alles richtig, was viel zu oft in den Sand gesetzt wird: Die Songs sind kurz und knackig, behandeln jedoch zeitgeistige Themen desillusionierter Millennials im Westen, die Ablehnung aber auch Ohnmacht gegenüber dem Status Quo empfinden. Stilistisch irgendwo zwischen The Strokes, Weezer und Pavement angesiedelt, haben sich Kiwi Jr. nach gerade einmal zwei Veröffentlichungen schon das Signing bei der Qualitätsschmiede Sub Pop gesichert. Ein klares Indiz für das, was hier vermutlich noch folgen wird.
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  • 23.9.    THUMPER (IRL), SALÒ (AUT), KIWI JR. (CAN)