Sa, 24.09.2022
STEINTOR HERRENCHOR (DE), CHRISTIN NICHOLS (DE), SOFTCULT (CAN)
Reeperbahn Festival
Einlass: 20:00 | VVK: | TICKETSmiley face
20:35 – 21:35 STEINTOR HERRENCHOR

Ja, es gibt sie wirklich, die neueste Neue Deutsche Welle. Keine Trendetikette, kein Scherz, keine Verkaufsstrategie. Ganz im Gegenteil. Steintor Herrenchor sind eine von bislang wenigen Bands im Land, die dem hallenden Nostalgie-Sound anno '85 völlig unvoreingenommen neues Leben einhauchen. Dem bislang anonymen Trio aus Hannover gelingt dabei ohne Tohuwabohu um ihre Personen das Hochzeitsarrangement von New Wave, Post-Punk und Casio-Pop im DIY-Modus so makellos, so dringlich, dass jeder Wehmut an diese Zeit entweder verhallt oder mit noch größerer Wucht zurückkehrt. „Ich will mich nicht verlieben, denn ich will mich nicht verlieren“, tönt es da im wunderbar minimalistischen „Postkarten“ - mehr Lidschatten-Romantik geht nicht. Hoffnungslos verschossen in jemanden, der nicht einmal Notiz von dir nimmt? Gerade die vielleicht doch nicht bessere Hälfte verloren? Grübelattacken über alles, was falsch lief? Steintor Herrenchor verschenken den definitiven Soundtrack für das eine Gewitter im Kopf und für das andere an grauen Sommertagen. Von der Reflexion übers Gestern zum Dilemma im Heute, ist diese Welle noch lange nicht bereit zu brechen.

22:15 – 23:00 CHRISTIN NICHOLS

Die Laufbahn von Christin Nichols liest sich wie ein modernes Märchen: Mit vier Jahren in die Ballettausbildung, mit acht zum Kinderzirkus und kurz darauf schon die ersten Statistenrollen in Filmen – da war Nichols gerade mal aus dem Grundschulalter raus. Die Hingabe für die Bühne war ihr also wortwörtlich in die Wiege gelegt worden und prägte nicht nur ihr Leben, sondern auch ihren Sinn für Kultur, für Ästhetik und Poesie. Den lässt sie ebenso ihrer Musik angedeihen, zu der sie im professionellen Sinne allerdings erst später fand, als Teil des Elektropunk-Duos Prada Meinhoff – eine Erfahrung, die ihren weiteren Weg grundlegend prägen sollte. Diesen Januar erschien nun endlich ihr Solodebüt „I'm Fine“, auf dem sie ihre Gitarre durch dreckige Distortions schießt und darüber herrlich unangepasste, rotzfreche Texte intoniert, die wie in „Sieben Euro Vier“ oder „Today I Choose Violence“ trotzdem Ohrwurmcharakter entfalten. Auf offenem Felde zwischen Post-Punk, Electro und Indie-Gestus tanzend, klang deutschsprachige Rockmusik schon lange nicht mehr so fresh und mitreißend.

23:50 – 00:30 SOFTCULT

Obwohl sie bis dahin nie wirklich live spielen konnten, können Mercedes und Phoenix Arn-Horn schon im Sommer 2021 eine veritable Fanbase vorweisen. Die Pandemie trifft die Schwestern genau dann, als sie abseits ihrer vormaligen Band Courage My Love eigene Wege beschreiten wollen – keine Konzerte, keine Tour, aber die Verbindung zur Welt über ihre Musik. So schaffen es die beiden als Softcult binnen kürzester Zeit in die Herzen und Köpfe von Menschen rundum den Globus vorzudringen, nicht zuletzt dank Singles wie „House Of Mirrors“ oder „Uzumaki“. Vor Power berstend, bewegen sich Softcult irgendwo zwischen Pop und Punk, Shoegaze und Grunge, greifen unangenehme Themen auf (etwa in „Gaslight“) und haben keine Angst damit anzuecken. Im Gegenteil. „Mit jedem Release fühlen wir uns wohler in unserer Kreativität – und wir haben weniger Bedenken weird zu sein“, sagte Mercedes kürzlich in einem Interview. Das ist ihren Songs in jeder Silbe, jedem Power Chord und in jeder Herzblut-Hook zu hören
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  • 24.9.    STEINTOR HERRENCHOR (DE), CHRISTIN NICHOLS (DE), SOFTCULT (CAN)